


Aus alten Tagen
Oberissigheim gehört zu den ältesten Ansiedlungen des Landkreises Hanau. Als langgestrecktes Straßendorf liegt es auf fruchtbarem Lößboden in einem flachen, vom Krebsbach durchflossenen Tal.
In Oberissigheim gemachte Funde aus der Stein- und Bronzezeit zeigen, daß das für den Ackerbau günstige, wahrscheinlich immer unbewaldet gewesene Gelände die Menschen schon früh zur Ansiedlung bewogen hat.
Wie die Endsilbe heim des Ortes andeutet, ist das Dorf bereits in fränkischer Zeit entstanden. Als die Franken das Maingebiet erobert hatten, veranlaßten die fränkischen Edlen, die zu den von ihnen in Besitz genommenen Landteilen gehörenden Unfreien, sich um ihre Wohnsitze anzusiedeln, um die Äcker ihrer neuen Herren zu bebauen. Diese Wohnsitze wurden vielfach mit dem Namen des neuen Grundherren bezeichnet. Der Name Oberissigheim wird durch sprachliche Abschleifung aus Osingeheim (das Heim eines Osing) entstanden sein.
In einem Schenkungsverzeichnis des Klosters Fulda, dem Codex Eberhardi, wird der Ort erstmalig erwähnt. Es heißt da: Wartmunt et coniux Gerlint tradiderunt saneto Bonifacio in villa Osingeheim quid prediorum habuit cum familia (Wartmut und seine Frau Gerlint übergeben dem heiligen Bonifazius [d. h. Kloster Fulda], was sie in Osingeheim an Gütern und [leibeigenen] Gesinde haben). Die ursprüngliche Schenkungsurkunde ist im Laufe der Jahrhunderte verlorengegangen. Die Schenkung selber ist aber im Codex Eberhardi aufgeführt, in dem an die 2000 Schenkungen privater Stifter an das Kloster Fulda verzeichnet sind. Die Schenkung ist dort mit dem Namen des Schenkers, dem Ort, in dem er begütert war, und dem Schenkungsgut aufgeführt. Die Schenkung fällt in die Zeit des Sturmi, des ersten Abtes des Klosters Fulda, der von 744 bis Dezember 779 das Kloster leitete. Der Codex Diplomaticus Nassoicus, 1886 von Dr. Sauer herausgegeben, ordnet die Schenkung der Eheleute Wartmut und Gerlint dem Datum 12. Juni 799 ein. Heinrich Reimer hatte 1891 in seinem Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau die Ersterwähnung von Osingeheim noch vorsichtiger um 850 datiert. Daher feierte man in Oberissigheim 1950 die 1100 Jahrfeier und nur fünfzig Jahre später die 1200 Jahrfeier!
Erst nach beinahe vier Jahrhunderten, im zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts, taucht der Name Issigheim wieder auf. Zwischen den Klöstern Fulda und Schlüchtern waren über gewisse Rechte, die sie in Roßdorf und Dessingheim hatten, Streitigkeiten entstanden, die am 21. April 1233 beigelegt wurden. Unter Dessingheim ist mit größter Wahrscheinlichkeit Issigheim zu verstehen. Von jenem Jahre an wird Issigheim in Urkunden häufiger erwähnt, und 1248 wird Oberissigheim zum ersten Mal genannt, wenn auch noch später in Urkunden nur Issigheim angegeben wird. Die verhältnismäßig häufige Erwähnung der kleinen, unbedeutenden Orte erklärt sich daraus, daß des fruchtbaren Bodens wegen eine Reihe von Klöstern dort Grundbesitz erworben hatte. Damit verbundenen Besitzänderungen verdanken wir die häufige Erwähnung der Ortschaften in jenen entlegenen Zeiten. Nach dem Hanauer Urkundenbuch, das bis 1400 reicht, waren in Oberissigheim die Klöster Konradsdorf, Patershausen, Roßdorf, Schlüchtern, die Johanniterkommende Rüdigheim, das Frankfurter Bartholomäusstift und zwei Mainzer Klöster begütert.
Von dem in manchen Urkunden aus den Jahren 1237 bis 1382 erwähnten Adelsgeschlecht von Issigheim läßt sich nicht feststellen, ob es seinen Herrensitz in Nieder- oder in Oberissigheim hatte. Um 1400 wird ein Adliger Ruprecht von Kolnhausen mit seiner Frau Pezze als Gutsbesitzer in Oberissigheim erwähnt.
In den Urkunden des 14. Jahrhunderts werden gelegentlich Flurnamen angeführt, die sich zum Teil bis heute erhalten haben, z. B. Nachtweide, Pfingstweide, Oberwasen, Biberweg, am Riedbach, Krohborn u. a.
Auch Namen von Einwohnern findet man erwähnt, im Jahre 1371 den Schultheiß Hermann Emich, 1384 Schultheiß Heilmann und um 1400 Sifried Kempfe. Außer diesen Beamten werden als Einwohner ganannt 1326 Heinrich Steinheimer, 1354 Heyle Gylbrecht, 1357 eine Witwe Else Ruzzin, 1363 Kunz Schäfer, 1400 Sizze Suse und Peter Wollenstad, 1453 hielt sich der Oberissigheimer Snyder Henne zeitweise in Hanau auf.
Über die kirchlichen Verhältnisse aus dieser Zeit ist nur wenig bekannt. Zum Bistum Mainz gehörend, stand die Kirche unter dem Landkapitel Roßdorf; die Zeit ihrer Gründung ist nicht zu ermitteln.
Die Besetzung der Pfarrstelle der Kirche, die 1497 als den Heiligen Georg und Vincentius gewidmet bezeichnet wird, erfolgte durch die Propstei Naumburg. Als 1567 Graf Philipp III. von Hanau von dem Kloster Limburg, die diesem gehörende Propstei Naumburg ankaufte, erwarb er gleichzeitig auch das Recht zur Besetzung der Pfarrstelle.
Zwischen den Jahren 1371 und 1390 wird ein Pfarrer Eberhard erwähnt, 1400 Thomas von Ginnheim. Im Jahre 1516 stiftete der damalige Pfarrer Johann Cremer für sich und seine Eltern ein Jahrgedächtnis. Vielleicht befand sich in der Oberissigheimer Kirche ein Werk des berühmten Malers Matthias Grünewald. In seinem Testament vom Jahre 1514 bestimmte der Aschaffenburger Kanonikus Heinrich Retzmann, daß für die Kirche von Uskem von dem Meister Mathäus, der sich damals in Seligenstadt aufhielt, ein Altar anzufertigen sei. Auf dem Altarbild sollten neben der Jungfrau Maria und dem Heiligen Hieronymus auch die Kirchenpatrone Vincentius und Georg dargestellt werden. Da diese beiden Heiligen Patrone der Kirche von Oberissigheim waren, so wird mit Uskem wohl dieser Ort gemeint sein. Ob aber diese Arbeit ausgeführt wurde, ist nicht bekannt.
Im Jahre 1548 waren die Einwohner noch katholisch, die Reformation scheint erst um 1550 eingeführt worden sein. Cyriakus Weiß, früher Mönch im Kloster Schlüchtern, war der erste evangelische Pfarrer. Als er 1592 starb, erhielt sein Adjunkt und Schwiegersohn, Heinrich Schenk, die Pfarrstelle. Die nach obendeutschen Grundsätzen in der Grafschaft Hanau eingeführte Reformation wurde nach dem Regierungsantritt des in reformiertem Sinne erzogenen Grafen Philipp Ludwig II. nach diesem Bekenntnis umgestaltet. Der damalige Pfarrer Schenk schreibt über diese Bekenntnisänderung:
Anno Dni. 1595 in fest nativitatis Xrti (Weihnachtsfest) hab ich ... das Nachtmall des Herrn Xrti zum ersten mall wollen Reformatis ceremonis (nach reformiertem Gebrauch) halten. Weill aber niemandt kam der es begehrt zu emphahen hab ich gleichwoll die Ceremonien vorm altar gezeigt, die Wort verlesen, als wenn ich Communicanten hette.
Da er bei jeder Spendung des heiligen Abendmahls die Teilnehmer aufzeichnete, so läßt sich feststellen, daß es sechs Jahre dauerte, bis sich die Gemeinde an die Spendung nach reformiertem Ritus gewöhnt hatte.
Im Jahre 1629 stahlen Soldaten die Kirchenuhr. Vier Jahre später wurde von dem Windecker Schlosser Georg Pfeiff für über 70 fl eine neue Uhr angefertigt und ausgestellt. Die trotz aller Kriegsdrangsale noch leidlich erhalten gebliebene Kirche wurde am 15. Juni 1637 durch ein aus Unachtsamkeit entstandenes Großfeuer zerstört. Nach dem 30jährigen Krieg wurde das Gebäude wieder hergestellt und anscheinend 1663 das Kirchendach mit Ziegeln gedeckt. Im Jahre 1721 wurde die Kirche, wahrscheinlich nur teilweise, neu gebaut. Auf besonderen Wunsch der Gemeinde erhöhte man damals die Umfassungsmauern um drei Fuß, wofür die Gemeindekasse einen Betrag von 30 fl leisten sollte, der aber erst nach Jahrzehnten zur Auszahlung kam. Während des Kirchenbaus fand der Gottesdienst in der Behausung eines Barons von Greifenberg statt. Am 14. Dezember 1721 konnte die erste Predigt in der erneuerten Kirche stattfinden. Die Gemeinde ließ 1739 von dem Orgelbauer Joh. Georg Draut von Griedel eine Orgel erbauen, die 220 fl kostete. Das Werk war 1741 vollendet und wurde zum ersten Mal am 29. Oktober im Gottesdienst von dem Organisten Schultheis von Hanau gespielt. Wenige Tage später, am 1. November, nahm der Hanauer Konrektor und Organist Joh. Michael Müller eine Prüfung des Instruments vor, das er als gut und preiswert bezeichnete. Bei einem Trauergeläute aus Anlaß des Ablebens der Kurfürstin Karoline 1820 und des Kurfürsten Wilhelm I. 1821, waren die große Glocke von sechs Zentnern und die kleine von drei ein halb Zentnern gesprungen und mußten 1822 umgegossen werden. Aus der weiteren Geschichte des Gotteshauses sei nur noch berichtet, daß 1898 ein Umbau stattfand, bei dem auch eine von dem Orgelbauer Ratzmannn in Gelnhausen hergestellte Orgel das 150 Jahre alte, unbrauchbar gewordene Instrument ersetzte.
Über die Größe, Anlage sowie Zahl der Bewohner des Dorfes fehlen bis zum Ausgang des 16. Jahrhunderts jegliche Unterlagen. In gewisser wirtschaftlicher Beziehung stand es zu dem benachbarten Bruchköbel, zu dessen Mühlbann nach einer Urkunde von 1392 auch Oberissigheim gehörte.
Da eigener Waldbesitz fehlte, wurde das Bau- und Brennholz aus dem Bruchköbler Wald bezogen, in dem das Dorf auch Weidegerechtsame und Streubezugsrechte hatten.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts, vor 1599, ließ die gräfliche Regierung nördlich von Oberissigheim an dem Krebsbach von dem Müller Hans Moisch eine Mühle erbauen. Da man dabei versäumt hatte, die Stauhöhe des Mühlwassers genau festzulegen, begann bald der Müller, eigenmächtig das Wehr zu erhöhen. Das hatte zur Folge, daß, besonders nach heftigen Regengüssen, die oberhalb des Wehrs gelegenen Äcker und Wiesen überschwemmt wurden und zu versumpfen drohten. Schon 1602 kam es deswegen zu heftigen Beschwerden der geschädigten Bauern. Diese Klagen und Beschwerden nahmen ständig zu, so daß sich 1609 sogar der Landesherr Graf Philipp Ludwig II. nach Oberissigheim begab, das Wehr besichtigte und dem Müller jede eigenmächtige Erhöhung verbieten ließ. Aber auch damit war dem Streit kein Ende bereitet, der sich mit Unterbrechungen über 250 Jahre hinzog, und erst mit der Stillegung des Betriebs am Ende des vorherigen Jahrhunderts zur Ruhe kam.
Die Klöster hatten ihren Landbesitz meist an die Bewohner verpachtet, die dafür eine entsprechende Entschädigung leisten mußten. Neben einer Geldsummer mußten auch Bodenerzeugnisse und Federvieh als Entgeld geliefert werden. Um 1480 wurde in Oberissigheim für einen Morgen Ackerland ½ fl Pacht gezahlt.
Die Einwohner des Dorfes, das bereits 1329 zur Grafschaft Hanau gehörte, waren als Leibeigene der Grafen verpflichtet, im Frondienst die Herrschaftlichen Äcker bei Hanau und Kesselstadt zu bearbeiten und auch den Dünger dafür heranzufahren. Unregelmäßig eintretende Fronarbeit wurde gelegentlich mit Geld abgelöst. Als in der Hanauer Vorstadt 1556 die steinerne Kinzigbrücke gebaut wurde, löste Oberissigheim mit 20 fl seinen Anteil an dieser Fronarbeit ab. Als Steuer zahlte das Dorf im Jahr 1548 jährlich 2½ fl.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts kann, natürlich sehr unsicher, eine Schätzung der Zahl der Bewohner vorgenommen werden. Als 1587 die Zahl der wehrfähigen Männer in der Grafschaft Hanau festgestellt wurde, zählte man in Oberissigheim 31 Wehrfähige, 25 Schützen und 6 Spießträger. Im Vergleich mit benachbarten Gemeinden kann die Zahl von etwa 170 Bewohnern für Oberissigheim angenommen werden.
Vom Ende des 16. Jahrhunderts ab fließen die geschichtlichen Quellen reichlicher, vor allem das 1584 begonnene Kirchenbuch lieferte eine Fülle von Nachrichten.
Wahrscheinlich war das Dorf von einer Art Befestigung, vielleicht einem Holzzaun oder einer Hecke, umschlossen, da 1605 eine Unterpforte genannt wird, und noch früher ein heute erloschener Flurname Am Falltor vorkommt. Da 1605 das Kind einer fremden armen Frau unter dem Waaghaus starb, scheint eine Gemeindewaage vorhanden gewesen zu sein. Das Rathaus wird 1611 unter dem altertümlichen Namen Spilhaus erwähnt. Es wurde damals neu gedeckt, dabei stürzte der Hanauer Dachdecker Philipp Selig vom Dach und verunglückte tödlich.
In den Jahren 1594 bis 1618 sind Angaben über die Witterung und das Gedeihen der Feldfrüchte eingetragen. Daraus geht hervor, daß um 1600 Korn, Hafer, Gerste, Rüben, Wicken, Erbsen und Linsen angebaut wurden. Mohn wird einmal als Naturalabgabe 1357 erwähnt. Kappes (Kraut) zog man meist in Gärten, die an der Krebsbach lagen. Auch Weinbau wurde betrieben, der im Verlauf des 30jährigen Krieges zum Erliegen kam; die Flurnamen Weinberge und Weingarten erinnern noch heute daran. An Obst wurden Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen gezogen. Für die Bodenerzeugnisse war nach Gründung der Neustadt, deren Bewohner wenig Landwirtschaft betrieben, der Hanauer Wochenmarkt des hauptsächlichste Absatzgebiet.
Im Jahre 1602 vernichtete der Frost die Wein- und Obsternte, so daß in Hanau dür drei Äpfel 5 Albus gezahlt wurden. Die Sommer der Jahre 1616 bis 1618 waren außerordentlich trocken, trotzdem brachten die Äcker eine gute Ernte an Brotfrucht, und im Herbst 1618 gab es auch so reichlich Obst, daß man auf dem Hanauer Wochenmarkt für 1 Heller zehn Äpfel erhielt.
Auch von einer Himmelserscheinung wird berichtet. Im November und Dezember 1618 stand ein großer Komet am Himmel, der die Menschen in großen Schrecken versetzte. Der damalige Pfarrer Navicula schreibt von ihm, er sei schrecklich und erbärmlich anzusehen mit großen, langen Strahlen, als wenn ein Schornstein in vollem Brand stände.
Nach der Reformation übte die Kirche eine strenge Aufsicht über die Sitten. Bei der Trauung durften nur unbescholtene Jungfrauen Schapel und Gebenn (eine Art Brautkrone) tragen. Gefallene Bräute mußten mit ihrem Bräutigam vor der Eheschließung Kirchenbuße leisten und durften bei der Trauung nur eine Haube tragen. Nicht selten verhängte die weltliche Obrigkeit, der diese Fälle gemeldet werden mußten, auch noch eine Geldstrafe. In verdächtiger weise zusammenlebende Personen wurden auf Befehl der Landesherrschaft verheiratet. So wurde 1592 der Krämer Velten mit der Witwe Barbara des in Friedberg gehenkten Daniel Lörche zwangsweise getraut. Bald darauf wurde diese Ehe wieder getrennt, denn Velten fand in Gießen am Galgen sein Ende.
Der Eheschließung ging das rechtlich bindende Verlöbnis voraus, bei dem auch die Mitgift der Braut festgestellt wurde. Pfarrer Schenk hat ein solches Verlöbnis, bei dem er als Zeuge anwesend war, mit der Aufzählung der Mitgift verzeichnet. Als 1588 der Witwer Georg Quenzer, Gela, die Tochter der Eheleute Hans und Anna Dill heiratete, bestand deren Mitgift in: 5 Viertel Lehenacker, 1 Morgen Weingarten im Rosenberg, 1 Stücklein Kappesgarten an der Bach; außerdem versprachen die Schwiegereltern dem Schwiegersohn, so lange sie lebten, die Miete für seine Wohnung zu zahlen.
Mitunter kamen Trauungen nur nach mancherlei Hindernissen zustande. Im Februar des Jahres 1589 wollten Jörg Glapp und Margarete Bucher nach geschehener Verlobung heiraten. Plötzlich verweigerte der Brautvater Adam Bucher seine Zustimmung zur Trauung. Da er trotz allen Zuredens nicht nachgeben wollte, griff die Obrigkeit ein. Er wurde verhaftet, nach Hanau geführt und dort in den Turm gesperrt. Eine zweitägige Haft bei großer Kälte überwand seinen Widerspruch. Als nun der Bräutigam mit seinen Verwandten unter Musikbegleitung die Braut zum Kirchgang abholen wollte, war diese wankelmütig geworden. Aber ein Befehl des Oberamtmanns ließ am 14. März die Eheschließung zustande kommen.
In den Jahren des 30jährigen Krieges war in den vom Verkehr abliegenden Dörfern Issigheim von Drangsalen nur wenig zu spüren, doch wurde Oberissigheim am 30. April 1620 von einem Großfeuer heimgesucht: Nachts zwischen 11 und 12 Uhr ist eine jämmerliche Feuersbrunst entstanden, durch die 20 Häuser und Scheunen, ohne die Ställe, eingeäschert wurden, und viele Rinder, Schweine und Hühner verbrannten.
Wie aus Einträgen im Trauerregister hervorgeht, lagen in den Jahren 1622 bis 1624 bayerische Soldaten im Quartier, die zu der Kaiserlichen Armee unter Tilly gehörten. Bedrohlich wurde die Lage, als es 1629 zur Blockade der Festung Hanau durch kaiserliche Truppen unter Oberst Witzleben kam. Wie der Diebstahl der Kirchenuhr beweist, werden die Soldaten durch Mißhandlungen und Plünderungen die Bewohner schwer bedrückt haben.
Im Jahre 1632 waren 39 Hausgesäße, unter denen vielleicht Gehöfte zu verstehen sind, vorhanden, damit ist die Möglichkeit zur Schätzung der Einwohnerzahl gegeben. Nimmt man an, daß durchschnittlich zu jedem Gehöft 5 Personen gehörten, so wäre die Zahl der Einwohner auf etwa 200 zu schätzen.
Schon im ausgehenden 16. Jahrhundert stellte sich ein schlimmer Gast ein, die Pest, die später, begünstigt durch die Kriegsnöte, schwere Opfer forderte. Im allgemeinen schwankte die Zahl der jährlichen Todesfälle zwischen 1 und 4. Im Jahre 1590 sind aber 10 und 1597 sogar 12 Beerdigungen aufgezeichnet. Wenn auch im ersterwähnten Jahr keine Todesursache angegeben ist, so läßt doch die außergewöhnlich große Zahl der Verstorbenen darauf schließen, daß eine Epidemie geherrscht hat. Bei Einträgen im Mai des Jahres 1597 heißt es an der Pest gestorben. Die Seuche blieb auf wenige Häuser beschränkt, hat aber darin um so mehr Opfer gefordert. In der Familie des Eitel Blum starben zuerst die Mutter, dann an einem Tag zwei Kinder, zwei Tage danach der Vater mit einem dritten Kind und sechs Wochen später noch eine Tochter von 18 Jahren. In einer anderen Familie starben gleichzeitig drei Kinder. Bei der Epidemie im Jahre 1611 erlag auch der damalige Pfarrer Heinrich Schenk mit seiner Frau und dem dreijährigen Sohn der Pest.
Besonders anschaulich werden Ausbruch und Entwicklung der Pest im Jahre 1613 beschrieben. Die Seuche begann Ende Juni im Hause des Bernhard Haß, und ist das gemein Geschrei gewesen sie sollten es zu Rüdigheim geholt und mit Fleisch hieher getragen haben. Am 20. Juni starb Tochter Margarete Haß als erste an dieser Seuche, die bis zur Kirmes am 26. Oktober anhielt. Die Jahre 1626 bis 1628 brachten brachten wieder Epidemien, die 1627 mit 36 Todesfällen den höchsten Stand erreichten. Im Gefolge der Blockierung kam es 1630 zu einer neuen Epidemie die 21 Opfer forderte. Das Kirchenbuch schreibt darüber: War itziger zeit Pest und Hauptkrankheiten (Flecktyphus?) so von den witzlebenschen Soldaten herrühren gar gemein in Oberissigheim. Zwei Jahre darauf kam es zu einem vereinzelten Pestfall, der durch Unvorsichtigkeit eingeschleppt wurde. Bei dem Eintrag über die Bestattung des Joh. Kaus, der am 21. Oktober 1632 an der Pest gestorben war, heißt es, er habe sich diese Krankheit im Herbst zu Rüdigheim in des Beydemers Haus mutwillig geholt.
Die Furcht vor der Ansteckung erschwerte das Begraben der Pestleichen. So wurde 1597 die Leiche von Eitel Blum und seiner Tochter durch eine auswärtigen Zimmermann bestattet, dem man dafür 4 fl und zwei Maß Wein entrichten mußte. Bei der Epidemie im Jahre 1611 blieb eine Frauenleiche drei Tage unbestattet, bis zwei Ortsfremde das Begräbnis gegen hohes Entgeld besorgten, sie erhielten außer 3 fl noch ein Achtel Korn und zwei Maß Wein.
Schwere Zeiten kamen, als 1635 nach der Schlacht bei Nördlingen die geschlagenen zurückflutende Armee Herzog Bernhards von Sachsen-Weimar durch die Wetterau zog und wie in Feindesland hauste. Wie das Kirchenbuch berichtet, hat sie die Wetterau mit Raub und Brand jämmerlich eingeäschert unter denen auch Oberissigheim gänzlich bis auf wenige Häuser von denselben abgebrannt worden. Zu welchen Maßnahmen diese Kriegsnot zwang, zeigt eine Bemerkung im Totenregister des Jahres 1635. Am 14. Januar jenes Jahres begrub man den verstorbenen Sohn des Franz Kauß im Keller seines Elternhauses wegen der großen Kälte, Kriegsgefahr und Feuersbrunst.
Während der Belagerung der Stadt Hanau vom September 1635 bis zum 13. Juni 1636 hielt sich die Bevölkerung hinter den schützenden Wällen der Stadt auf. Wie unter der Stadtbevölkerung, so hausten auch unter den zusammengepferchten Flüchtlinge schwere Seuchen, und mit 48 Sterbefällen im Jahre 1635 wurde die höchste Zahl an Opfern im 17. Jahrhundert erreicht. Im Verlauf der beiden Belagerungsjahre fanden 100 Oberissigheimer, annähernd die Hälfte der Bevölkerung, in Hanau ihre letzte Ruhestätte.
Was mit zähem Fleiße in ruhigeren Zwischenzeiten aus den Trümmern wieder aufgebaut worden war, wurde durch einen unglücklichen Zwischenfall vernichtet. Durch Unachtsamkeit einer Frau brach am 15. Juni 1637 nachmittags 3 Uhr, ein Feuer aus, so den ganzen Flecken vollends samt der Kirche hinweggebrannt, bis auf vier oder fünf Häuser.
Nach dem Abschluß des westfälischen Friedens gab es wieder ruhigere Zeiten. Rüstig ging man daran, die schweren Schäden der Kriegsjahre auszuheilen, und 1662 wird im Presbyterium vorgeschlagen, eine neue Kirchenglocke anzuschaffen.
Am 28. Juli 1669 schloß Kommerzienrat Dr. Johann Joachim Becher im Auftrag Graf Friedrich Kasimirs von Hanau in Amsterdam einen Vertrag mit der Niederländisch-Westindischen Kompanie, der dem Grafen ein Gebiet von fast 100000 km² zwischen Orinoko und Amazonas zusicherte. Die erste und einzige hessische Kolonie in Übersee, das Königreich Hanauisch-Indien in Guayana, warb daraufhin in einer Werbeschrift für Gelder und Kolonisten. Inwieweit auch Oberissigheimer Vorbereitungen für Ihre Auswanderung nach Südamerika trafen oder zumindest mit dem Gedanken spielten, sich in dem jungen Hanauer Kolonialgebiet niederzulassen, ist leider nicht bekannt. Der Ausbruch des Französisch-Niederländischen Krieges 1672 bedeutete das frühe Aus für Hanauisch-Indien.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts bedrohten die damals tobenden Kriege mehrfach die Hanauer Gegend. Als im Sommer 1673 eine französische Armee unter Turenne bis in unsere Gegend vordrang, flohen die Issigheimer wieder hinter die schützenden Wälle der Stadt Hanau. Wahrscheinlich gewarnt durch das üble Betragen der Soldaten Bernhards von Weimar, war man auch gegen deutsche Kriegsvölker mißtrauisch. Im Februar 1675 verbreitete sich das falsche Gerücht, eine kurbrandenburgische Truppenabteilung wolle in der Grafschaft Hanau Quartier beziehen, weshalb man abermals sofort alles zur Flucht nach Hanau vorbereitete.
Im Beginn des 18. Jahrhunderts, 1707, waren in Oberissigheim 24 Familien vorhanden. Im Vergleich mit den Zahlen des Jahres 1632 läßt sich ein erheblicher Rückgang der Bevölkerung feststellen, der fast 40% beträgt. In der ersten Hälft des Jahrhunderts erfolgte ein Anwachsen der Einwohnerzahl, so daß 1754 wieder 34 Familien gezählt wurden.
Trotz der wilden Zeiten im 17. Jahrhundert wird nur von wenigen Gewalttätigkeiten berichtet. Am 29. Oktober 1605 erstachen zwei fremde Kesselflicker den Rüdigheimer Krämer Klaus Döll vor der Unterpforte. Ein anderer Mord geschah 1610 im Dorf selbst, indem am 25. März, nachts zwischen 11 und 12 Uhr, Hans Bachmann von seinem Schwager durch mehrere Messerstiche getötet wurde. Erst nach 125 Jahren ereignete sich wieder ein schweres Verbrechen. Die Magd des Schultheißen Mook tötete ihr uneheliches Kind und wurde deshalb in Hanau hingerichtet.
Das Presbyterium hatte vor allem Zänkereien und Wortstreitigkeiten zu rügen und auszugleichen. Der nicht selten als Schimpfwort gebrauchte Ausdruck Hexenmensch hatte damals eine viel ernstere Bedeutung als heute. Sehr häufig wird über das verbotene Arbeiten während des Gottesdienstes, Versäumnis des Nachmittagsgottesdienstes und des Katechismusunterrichts geklagt. Meist sind die Säumigen in dieser Zeit in die Felder gegangen oder haben Kegel oder Karten gespielt, was oft in Privathäusern, besonders in der abseits vom Dorf liegenden Mühle, geschah. Gelegentlich wird auch darüber geklagt, daß im Gemeindewirtshaus Branntweingelage veranstaltet wurden.
Auch einige Fälle von Aberglauben mußten von dem Presbyterium gerügt werden. Der Pächter des Pfarrguts berichtete am 3. März 1697 dem Pfarrer Wagner einen merkwürdigen Vorgang, den er genau beobachtet hatte. Der Besitzer eines Grundstücks, das an einem der Pfarräcker, an dessen Rand ein großer Nußbaum stand, grenzte, habe an diesem Baum geklopft. Das habe seine Aufmerksamkeit erregt. Nachdem der Täter sich entfernt hatte, sei er zu dem Baum gegangen um zu sehen, was dieser daran gemacht habe. Er fand einen alten rostigen Nagel eingeschlagen, der mutmaßig ein Todesnagel (Sargnagel) sein müßte, dadurch der Baum dann verderben solle. Das zufällig versammelte Presbyterium ließ den Täter sofort vorladen und stellte ihn zur Rede. Der Beklagte gestand seine Tat ein. Zu seiner Verteidigung gab er an, daß er niemalen ettwas von dem Baum genossen und doch, weill er an dem Pfarracker her einen Acker hätt, vielerley Ohngelegenheitt davon hätte, und hätt ihn der Satan soweit durch Neid uff den Baum verleitet, daß er dieses böse Stück verübet. Reuig bat er den Pfarrer um Verzeihung und erbot sich, den Nagel sofort zu entfernen. Nachdem er seiner Bosheit und Sünden halber streng getadelt und ermahnt worden war, bat er mit hand und Mund um Verzeihung, die ihm dann auch gewährt wurde. Allerdings wurde er darauf hingewiesen, daß er einer Strafe von der weltlichen Obrigkeit gewärtig sein müsse.
Im Jahre 1719 kam ein weiter Fall zur Verhandlung. Der Vater und die Großmutter trugen ein krankes Kind, das ganz ausgezehrt war zu den dem Pfaffen nach Dietesheim, um es dort wiegen und segnen zu lassen. Beide wurden wegen dieser abergläubischen Handlung streng ermahnt und ihnen im Wiederholungsfall die Exkommunikation angedroht.
Die fortschreitende Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts läßt sich durchaus entnehmen, daß neben dem Neubau der Kirche, 1727 auch die Errichtung eines neuen Schulhauses, das gleichzeitig auch als Rathaus dienen sollte, beschlossen wurde.
Über die Schulverhältnisse hat sich nur wenig ermitteln lassen. Aus einem Verzeichnis der Pfarrgrundstücke geht hervor, daß bereits 1550 ein Schulgut vorhanden war. Den Unterricht wird damals der Glöckner erteilt haben. Von 1608 an werden Lehrer erwähnt, als erster ein Nikolaus Wilhelm. Im Jahre 1725 wurde bestimmt, daß im Sommer täglich von 11 bis 12 Uhr unterrichtet werden sollte, was sich aber nicht durchführen ließ, so daß im folgenden Jahr nur montags und donnerstags von 12 bis 1 Uhr Unterricht erteilt wurde.
Auch einige Fälle von Auswanderung kamen vor; im Jahre 1722 wanderte Konrad Wegmann mit seiner Familie nach Groß-Siedel in Ungarn aus, und 1734 ging die Hebamme Ermentraud sogar nach Pennsylvanien in den heutigen Vereinigten Staaten.
Als 1736 der letzte Graf von Hanau starb, fiel die Grafschaft Hanau, so auch Oberissigheim, an die Landgrafschaft Hessen-Kassel, was aber zunächst keine wesentliche Veränderung mit sich brachte.
Während des siebenjährigen Krieges war Hessen-Kassel und damit die Grafschaft Hanau von französischen Truppen besetzt, die große Kriegslasten verursachten. Zu den zahlreichen Kontributionen hat auch Oberissigheim nicht nur Beiträge an Geld und Naturalien leisten müssen, sondern blieb auch von Einquartierungen nicht verschont. Bei einer solchen Einquartierung kam am 14. September 1757 eine Kompanie des in französischen Diensten stehenden Fischerschen Freikorps in das Dorf, die bei ihrem Abzug einen toten Rekruten zurückließ, den die Gemeinde begraben lassen mußte.
An dem Krieg, den England 1775 bis 1783 gegen seine aufständischen nordamerikanischen Kolonien führte, nahm auch ein Hanauer Regiment teil, unter dessen Soldaten sich auch Oberissigheimer befanden. Zwei davon starben jenseits des Ozeans an Krankheiten, Konrad Schlingloff bei Savannah und Joh. Heinrich Schwarzhaupt in amerikanischer Gefangenschaft bei Winterhill.
Conrad Bremer, ein weiterer Oberissigheimer der an dem Krieg in Amerika teilnahm, wurde 1742 geboren. Er diente als Gefreiter in einer Infanterieeinheit des hessischen Erbprinzen, die im Juni 1776 in Quebec an Land ging. Dort angekommen nahm er an General Burgoynes Marsch auf Saratoga und an der sich anschließenden Belagerung im Oktober 1777 teil. Er überlebte den Krieg, zog 1801 in den Landkreis Tuscarawas (Ohio) und kaufte sich dort sieben Jahre später ein Stück Land. 1830 verstarb Bremer im Alter von 88 Jahren und wurde auf dem Gnadenhuttener Friedhof in Gnadenhutten (Ohio) beigesetzt.
Während der Revolutionskriege gegen Frankreich lagen kleine hessische Truppenabteilungen, die von den Bewohnern verpflegt und bezahlt werden mußten, in Oberissigheim, um dieses vor Belästigungen durch feindliche Marodeure zu schützen.
Als Napoleon I. 1806 das Kurfürstentum Hessen besetzen ließ, kam auch Oberissigheim unter französische Verwaltung. Als äußeres Zeichen mußten alle Wappen entfernt werden, sogar in der Kirche wurde das über der Orgel angebrachte abgenommen. Im Jahre 1810 überließ Napoleon I. dem von ihm geschaffenen Großherzogtum Frankfurt auch die Grafschaft Hanau, und für 3 Jahre wurden die Oberissigheimer Untertanen des Großherzogs Karl Dalberg.
Der Rückzug der bei Leipzig geschlagenen französischen Armee, die sich in der Schlacht bei Hanau den Weg zum Rhein erkämpfte, brachte mancherlei Bedrückungen mit sich. Das nach der Schlacht auftretende sogenannte Nervenfieber, eine Typusepidemie, verbreitete sich auch in Oberissigheim. Allein in den Monaten Dezember 1813 und Januar 1814 starben nach den Einträgen im Kirchenbuch 16 Personen, die meisten an Nervenfieber.
Infolge der ungünstigen Witterung brachte das Jahr 1816 eine Mißernte, besonders an Getreide, was eine große Verteuerung des Brotes zur Folge hatte. Um die Not der Unbemittelten zu lindern, überließ das Presbyterium den Teil der Fruchtgefälle, der nicht zur Besoldung gebraucht wurde, zu billigem Preis an die Notleidenden.
Im dritten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Verbesserung der Straßen und Verkehrswege, die sich seit Jahrhunderten im schlechten Zustand befanden. Von 1826-34 baute man befestigte Wege nach Rüdigheim und Ostheim und pflanzte an den Rändern Apfelbäume an.
Zur gegenseitigen Unterstützung bei Unglücksfällen unter dem Tierbestand gründeten die Einwohner 1829 eine Viehversicherungsgesellschaft.
Für die rein bäuerliche Bevölkerung waren die politischen Ereignisse der Revolutionsjahre 1830 und 1848 von geringem Interesse.
Bis zum Jahre 1820 läßt sich nur ein geringes Ansteigen der Bevölkerung feststellen. Im Vergleich mit den Zahlen des Jahres 1754 stieg die Zahl der Einwohner von 190 auf 258. Ein stärkeres Ansteigen brachten die drei folgenden Jahrzehnte, denn 1855 zählte Oberissigheim 349 Bewohner. Für zwei Jahrzehnte blieb die Einwohnerzahl unverändert, um sich bis zum Jahre 1880 auf 374 zu erhöhen. Nach den Ergebnissen der Volkszählung von 1900 hatte Oberissigheim 418 Einwohner.
Der kurze Krieg des Jahres 1866, der das Kurfürstentum Hessen dem preußischen Staat angliederte, brachte von gelegentlichen Einquartierungen, Requisitionen und Zwangsfuhren abgesehen, kaum Ungelegenheiten.
Zwischen dem Preußischen Statt und der Gemeinde kam es zu Verhandlungen über die Ablösung uralter, überholter Gerechtsame. Die Holz- und Streunutzung in den Staatswaldungen löste der Staat ab, wobei Oberissigheim 28266 Mark erhielt.
Zur Verbesserung der Bewirtschaftung wurde in den Jahren 1883 bis 85 die Verkoppelung durchgeführt, an den neu angelegten Feldwegen wurden zur Hebung des Obstbaues Apfelbäume angepflanzt.
Das lau gewordene religiöse Leben der Einwohner verstand der von 1882 bis 1902 als Ortspfarrer wirkende Leopold Wittekindt aufzurütteln und durch Gründung einer kirchlichen Gemeinschaftsbewegung zu einer neuen Blüte zu bringen. Das segensreiche Wirken dieses gläubigen Mannes, der im Ruhestand lebend 1923 hier verstarb, ist heute noch unvergessen.
Er gründete 1892 die Landeskirchliche Gemeinschaft, die unter dem Namen Christliche Gemeinschaft e.V. in das Vereinsregister eingetragen wurde. Den Entschluß hierzu faßte er nach seinem ersten Besuch der Pfingstkonferenz in Gnadau bei Magdeburg. Sein Ziel war es, die Evangelisation - die Einladung zur Nachfolge Jesu - sowie die Gemeinschaftspflege zu fördern. Diese Form der Gemeindearbeit ist aus einer Aufbruchstimmung erwachsen, die sich innerhalb der evangelischen Landeskirchen Deutschlands im letzten Drittel des vergangen Jahrhunderts ereignete. Ein wesentliches Kennzeichen waren die kleinen Gruppen, die sich außerhalb des Gemeindegottesdienstes zum Bibellesen und zum Gebet trafen. Ferner wurde die Bewegung auch stark von anglo-amerikanischen Einflüssen geprägt.
Viel Leben und Treiben brachte im Anfang September des Jahres 1897 das große Kaisermanöver. Zum erstenmal manövrierten 150000 Mann bayerische und preußischer Truppen gemeinsam. Da zwischen Kaichen und Heldenbergen-Windecken die entscheidenden Gefechte stattfanden, strömte auch in Oberissigheim eine gewaltige Zahl an Zuschauern zusammen. Das militärische Schauspiel verursachte nicht nur starke Flurschäden, sondern brachte auch wegen des plötzlich einsetzenden schweren Regenwetters durch unvorhergesehene Einquartierungen mancherlei Schwierigkeiten mit sich.